Ich hatte neue Bettwäsche gekauft und alles gewaschen. Nun war ich dabei die Betten neu zu beziehen und wie immer stieß ich auf diese riesigen Produkt-Waschzettel, die an Bettwäsche, Bettzeug und Kopfkissen hängen.

Früher hätte ich das drangelassen. Aber meine Freundin hatte mir schon mehrfach gezeigt: „Gleich ab damit! Später macht man das ja doch nicht und das knistert immer so beim Schlafen."

In dieser Routine gefangen, fiel mir plötzlich auf, wie sich diese Waschzettel auf den Rest meines Lebens bisher ausgewirkt haben:

“Ich habe das Objekt nie als etwas gesehen was mir gehört. Was von mir benutzt werden darf. Mit dem ich Spaß haben darf.”

Bisher habe ich diese Waschzettel immer dran gelassen - um später zu sehen wie das genau gewaschen werden soll und ggf. für den nächsten Besitzer.

Bisher habe ich von jedem Produkt die Originalverpackung behalten - falls ich dieses später mal verkaufe und ich so einen höheren Preis erzielen kann.

Ich habe mehr daran gedacht das Objekt ...

... nicht zu beschädigen

... es nicht schmutzig zu machen

... es möglichst im Originalzustand zu belassen

... es bestmöglich verkaufen zu können

... es im besten Zustand für den nächsten Besitzer zu belassen

Ich habe nicht daran gedacht ...

... es zu benutzen

... damit Spaß zu haben

... damit zu wachsen

... es in mein Leben zu integrieren

... es abzunutzen

... es zu seiner eigentlichen Bestimmung zu gebrauchen.

Ich habe das Objekt nie als etwas gesehen was mir gehört. Was von mir benutzt werden darf. Mit dem ich Spaß haben darf. Ich habe immer zugelassen, dass die Außenwirkung wichtiger ist, als das, was ich mit dem Objekt wirklich mache.

Und noch ein Bespiel:

Es war eine große Überwindung für mich ein Buch am Strand zu lesen und zuzulassen, dass es sandig, nass und dreckig (Eis, Sonnenmilch, Schweiß etc.) wird.

Ein Buch musste auch nach dem Lesen ungelesen aussehen.

Ein Sofa durfte nie genutzt werden, weil es sich ja sonst abnutzt.

Ein Stuhl durfte nie irgendwo gegen donnern damit es keine Kratzer gibt.

Ein iPad durfte nicht zerkratzt werden.

Und das Schlimmste:

Ich habe das unterbewusst genauso an meine Kinder weitergegeben.

Ich war sauer auf sie, weil sie ihre Spielsachen benutzten.

Ich war sauer auf sie, weil sie ihre Bücher zerlesen haben.

Ich war sauer auf sie, weil ihr Lego überall rumlag und die einzelnen Kästen nicht mehr zusammenpassten.

Ich war sauer auf sie, weil sie kleckerten.

Ich war sauer auf sie, weil sie das Auto dreckig machten.

Und woher kommt das?

Von meinen Eltern.

"Man erzieht seine Kinder nicht, sondern sie werden wie Du!" Olli Schulz

Wir durften als Kinder den Küchentisch nicht "kaputt" machen, wie z.B. mit einem Löffel auf ihm herum hauen.

Und neulich war ich selbst Zeuge wie meine Kinder, also die Enkel meiner Eltern, das bei Ihnen auch nicht durften.

Das Thema: Sein statt Haben - nutzen statt haben - nicht perfekt sein

Wann sollen Kinder denn laut sein oder kleckern dürfen, wenn nicht als Kinder?

Wieso darf ein Buch nicht gelesen aussehen?

Wieso dürfen meine Kinder ihre Spielsachen nicht benutzen wann und wie sie es wollen?

Und wieso hat mein Sohn eigentlich Skrupel sich seine Finger schmutzig zu machen?

Er fasst den Teller nicht richtig an, wenn er ihn in die Spüle räumen soll.

Er fasst das Besteck nicht richtig an, wenn er es vom Tisch nimmt.

Wieso hat er Angst sich dreckig zu machen?

Der eigene innere Kritiker will von mir also Perfektion und glänzen.

Er will Lob von Anderen und Anerkennung, weil sein Buch perfekt aussieht, ihm ist es egal, ob es gelesen wurde oder ob andere danach fragen, ob es gelesen wurde oder was darinsteht.

Es muss halt GUT aussehen.

Meine Kinder müssen gut aussehen.

Sie müssen sich gut benehmen.

Mein Kritiker will, dass ich Lob und Anerkennung bekomme, weil meine Kinder gut sind und nichts auf mich, als Vater zurückfallen darf, damit ICH weiterhin gut bin.

Aber das bin ich nicht mehr!

Ich will alles benutzen.

Alles darf benutzt aussehen.

Ich möchte nur noch Dinge haben die ich wirklich benutze oder mich an Ihnen erfreuen.

Also Dinge mit denen ich eine gute Zeit haben kann.

Ich möchte keine Dinge mehr haben die ich nicht wirklich wertschätze und benutze.

Ich möchte keine Dinge mehr haben, die ich nicht in mein Leben lasse und welche ich nicht richtig benutze.

Übungen für Euch:

Die Harald-Schmidt Methode 1: „Alles was Ihr drei Monate nicht angefasst habt (oder beachtet habt) kann weggeschmissen werden!“

Die Harald-Schmidt Methode 2: „Mehr als zehn Bücher braucht kein Mensch!“

Die Simplify Your Live Methode: „Wenn ich mir etwas Neues anschaffe, dann muss immer etwas Altes raus!“

Schaut mal was Ihr alles in Euren Regalen stehen habt und nicht benutzt und fühlt euch da mal rein, kann es weg oder wollt Ihr das noch nutzen?

Über den Autor

Matthias Heubach

CEO, Coach & recovering nice guy. Als ich Anfang 2014 vor den Trümmern meiner Ehe stand, begann ich meinen Weg zu mir selbst. Dieses Wissen möchte ich hier auf lebe.jetzt weitergeben und zusammen mit Euch wachsen.

Kommentare

Natalie Steinhaus

Aha, spannend, was dieser Mann für Gedanken hat. Vor 10/15 Jahren habe ich ähnlich gedacht, da scheine ich wohl schon etwas gelernt zu haben, in Bezug auf die Nutzung von Sachen, die ich brauche oder nicht. Oder wie ich sie nutzen will. Und ich will nichts für später bewahren, ich will die Dinge im Hier und Jetzt nutzen und Freude daran haben. Ausserdem kann ich mir die Waschzettel anschauen und lachen und mich freuen das sie da sind und mit dem Bettenbeziehen weitermachen. Ich lasse sie dran, selbst wenn mein Freund sie abschneiden wollte. Schliesslich ist es seine persönliche Sache. Ich für meinen Teil geben diesen Zetteln keine übermässige Bedeutung. Allerdings faszinierend, was solch ein Waschzettel bei dem Schreiber auslöst.

Felicitas Neumann

Offen, ehrlich und zeigt Deine Bewusstwerdung. Danke für die kleinen Anstösse zum Hinschauen und umdenken. Sehr gut auch der Kinderaspekt, was mache ich mit meinen Kids und aus welchen Beweggründen heraus.