Nach zwei Langzeitbeziehungen, die nicht gut ausgingen, da ich auf Grund verschiedener Dinge ging, wollte ich mein Singledasein voll auskosten. Allerdings stellte ich sehr schnell fest, dass dies gar nicht so einfach war, da mein System auf die Zweisamkeit programmiert war. Sei es durch die Gesellschaft oder das Elternhaus. Sobald ich einen Mann kennen lernte, wir gute Gespräche führten und natürlich auch Sex hatten, war für mich, mein Inneres oder was auch immer da in mir regierte, klar, ich bin in einer Beziehung. Um dann jedoch nach ein paar Wochen oder selbst Monaten festzustellen, upps, der Mann sieht das ja ganz anders. Wir waren trotz der Verbundenheit, die zwischen uns herrschte und die weiß Gott nicht auf Einseitigkeit beruhte, gar kein Paar.

“Allerdings stellte ich sehr schnell fest, dass dies gar nicht so einfach war, da mein System auf die Zweisamkeit programmiert war.”

Nun stellte ich mir zunächst die Frage, was ist das in der heutigen Zeit? Früher in der Schule gab es diese niedlichen Zettel, die kichernd und manchmal verstohlen dem anderen Geschlecht gereicht wurden, auf denen stand:

„Willst du mit mir gehen? JA / NEIN“

Hier gab es keinen Zweifel daran, wenn das Gegenüber mit einem „JA“ antwortete war man in diesen jungen Jahren „zusammen“.

Im späteren Verlauf des Erwachsenwerdens, fanden sich zwei Menschen toll und sympathisch. Sie gingen miteinander aus, küssten sich, hatten Sex und waren ein Paar, ohne das irgendwelche Absprachen getroffen wurden. Das sind meine Erinnerungen daran.

Doch in den letzten Jahren, so habe ich das Gefühl, hat sich hieran etwas verändert. Vielleicht ist es die Schnelllebigkeit unserer Zeit, das Geschlechterangebot im Internet auf Datingseiten oder die Freizügigkeit des Moments.

Neuerdings wird zunächst, fasst wie in einem Arbeitsvertrag, eine Probezeit festgelegt. Es wird geflirtet, ausgegangen und geküsst, mit einander geschlafen und Spaß zusammen erlebt und doch hat man diese Beziehung nicht sicher (nicht das es sicher wirklich geben würde), doch was wollte Man(n) / Frau noch abchecken? Wenn beide doch eine super Zeit miteinander hatten?

So befand ich mich in einem Dilemma. Männer die ich toll und super fand und sie mich zunächst wohl in irgendeiner Form auch, verschwanden von jetzt auf gleich und waren nicht mehr gesehen. Natürlich schmerzte es jedes Mal, doch mit der Zeit wurde ich gelassener und erinnerte mich daran, „Mensch Andrea, du wolltest doch sowieso in keiner Beziehung mehr leben, zumindest vorerst nicht, du wolltest Spaß haben und Neues probieren“, sicher nicht wahrlos, dafür bin ich zu wählerisch, doch mit Männern, die mir gefielen und wo eine gegenseitige Sympathie bestand.

Nachdem ich mir diese Gedanken wieder in den Sinn gerufen hatte, konnte ich mein Singleleben mit ganz anderen Augen betrachten.

Wenn ich heutige Zeit schnelllebig ist und mir Männern auf verschiedenen Wegen anbot, wieso sollte ich das alles nicht nutzen, um meine Weiblichkeit auszutesten.

Ich fing an mich umzuschauen und meine Fühler auszustrecken. Ich lernte wundervolle Männer in den verschiedensten Altersstrukturen kennen. Ich durfte ihre Vorlieben beim Sex erkunden und erfuhr dabei unteranderem sehr viel über mich selber. Wie ich ticke, wie mein Körper tickt. Was mir sexuell Freude und Lust beschert und ich fing an zu genießen. Ich genoss jedes Zusammensein mit einem Mann. Selbst wenn mich einige für unmoralisch halten sollten, ja, ich schlief auch mit Männer, die in einer Beziehung oder sogar verheiratet waren. Ich hinterfragte mein Gewissen und kam doch immer wieder zu dem Schluss. Es gehören zwei Menschen zu solch einem Abkommen.

Denn ein Mann mit dem ich eine fabelhafte Zeit verbracht hatte, befand sich inzwischen in einer Beziehung und er lehnte klar und deutlich ab, als wir uns bei einer anderen Gelegenheit trafen und das habe ich ohne Frage akzeptiert. Somit trägt in meinen Augen jeder diese Verantwortung für sich selber, wie weit er gehen möchte.

Es wäre schön, wenn jeder Single, ob männlich oder weiblich, all die wunderbaren Möglichkeiten erkennt, die sich ihm bieten. Zunächst mache Dinge, die dir sowieso Freude bereiten und dann schau dich beim anderen Geschlecht um und lebe deine Sexualität. Erlebe sie, lass dich drauf ein. Egal ob du einen One night stand hast oder dich mit einer Person mehrmals triffst. Nimm den Moment des Geschehens wahr, spüre die Nähe des Anderen und wie du dich, dieser zunächst fremden Person, hingeben kannst.

Ich möchte jedoch auch betonen, niemals die Sicherheit aus den Augen zu lassen. Verwendet auf jeden Fall Kondome! Und wenn ihr euch mit einem neuen Menschen trefft, weiht eine Vertrauensperson ein. Mit diesen zwei, in meinen Augen, wichtigen Sicherheitsmaßnahmen könnt ihr euer nächstes Abenteuer entspannt/aufgeregt angehen. Und natürlich besteht immer die Möglichkeit einen anderen Menschen zu finden, mit dem ihr über die „Probezeit“ hinaus zusammen bleiben möchtet.