Letztens las ich in einer Zeitschrift 11 Fakten zu Datingapps, die mich überraschen sollten. Da ich lange eine Freundin von Datingapps und Seiten war, freute ich mich darauf endlich die Erklärung für manch ulkiges Verhalten des anderen Geschlechts zu erhalten.

Nach diesem Bericht hatte ich jedoch noch mehr Fragezeichen über meinem Kopf schweben. So sollten z.B. Menschen mehr Zuschriften bekommen, wenn sie erwähnten, dass sie Leckermäulchen wären und Guacamole essen. Nun, sowas war für mich niemals ein Auswahlkriterium. Zu dem mag ich zwar Dips, doch Avocado steht dabei, bei mir, NICHT an erster Stelle. Nun gut, vielleicht war ich nur auf anderen Datingseiten unterwegs. Weiter wurde in dem Bericht angepriesen, dass ein hoher Prozentsatz alles nur Lüge wäre, in Bezug auf Alter, Wohnort, Beruf oder dergleichen. Auch dies überraschte mich nicht sonderlich, hatte ich sowas schließlich des Öfteren am eigenen Leib erfahren.

“Natürlich gab es auch die „Ich will nur Spaß“ Männer, doch hier muss ich sagen, die waren dann derart plump, dass ich mit der Zeit die Männer wählte, die wenigstens einen höflichen Smalltalk voranstellten.”

Da mich all das nicht sonderlich bewegte und vom Onlinewissen her bereicherte, beschloss ich, mich erneut eingehend mit diesem Thema zu beschäftigen.

Nachfolgend möchte ich die Leserschaft an meinen Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben zu lassen. Mögen sie sicher nicht alles abdecken was auf Datingplattformen geboten wird, so können sie jedoch Anstöße und Anregungen für den oder die Einzelne sein.

Ich möchte noch dazu sagen, dass es sicher auch noch darauf ankommt, was jeder für sich sucht.

Ich wusste es vor einigen Jahren nicht wirklich. Mit dieser Einstellung wagte ich mich an eine, der Werbung nach, reine Sexplattform. „C-Date“ ist für Frauen völlig kostenlos und versprach unverbindliche Bekanntschaften, die eher sexuell orientiert waren. Interessanter Weise lernte ich über diese Seite einige Männer kennen, die auf ernsthaftes Kennenlernen und Beständigkeit aus waren. Letztenendes zwar nicht mit mir, doch rückblickend, war das alles passend für mich.

Natürlich gab es auch die „Ich will nur Spaß“ Männer, doch hier muss ich sagen, die waren dann derart plump, dass ich mit der Zeit die Männer wählte, die wenigstens einen höflichen Smalltalk voranstellten.

Ich lernte hier zudem, dass, wenn ein reines Sexdate vereinbart war, es höchstens zu 3 Treffen kam, denn danach wäre es ja schon eine Beziehung. Diesen Satz hörte ich öfter, was ich sehr spannend fand, schließlich war ich nicht zwingend darauf aus. Von all diesen Männern erfuhr ich später, dass sie dann doch urplötzlich in einer festen Beziehung waren. Haben sie wohl ihre eigene Regel nicht befolgt und es zu einem 4ten Date kommen lassen. Mit der Zeit lernte ich, solche Absagen nicht persönlich zu nehmen und begab mich auf die Suche nach anderen Datingseiten. „C-Date“ ist mit Abstand betrachtet, für mich eine sehr schöne Erfahrung gewesen. Hier begann meine Reise durch die Onlineportale.

„Jaumo“ fand ich dahin gehend sehr unterhaltsam, dass sich hier niemand wirklich treffen wollte. Viele dieser Männer fand ich später auf anderen Seiten wieder, mit denselben Bildern und derselben Selbstvorstellung. Ok mit EINEM traf ich mich, um festzustellen, ich hätte einfach mit ihm Weiterschreiben sollen. War die Unterhaltung hier doch viel unterhaltsamer als die Realität.

Bei „Lovoo“ eröffnete ich mehrmals einen Account. Mir gefiel die Handhabung so gut, dazu noch die Möglichkeit zu sehen, wer in meiner Nähe online war. Allerdings war diese Seite, für mich, am wenigstens Spaß bringend. Es bestand kein wirkliches Treffverlangen und die Anmachen beliefen sich in den meisten Fällen auf „hi“, „wie geht’s“ oder es wurde gleich nur ein Wink-Emoji geschickt. Obwohl ich auch gewillt war auf ein einfaches „Hi“ zu antworten, kamen hier die wenigstens vernünftigsten Chats zu Stande. Ich wählte unterschiedliche Bilder von mir aus, die immer meinem wahren Alter entsprachen und genug aussagten, um dem anderen Geschlecht zu zeigen, das er zumindest ein Treffen mit mir in der Öffentlichkeit wagen konnte. Doch es kamen zunehmend, nach dem ersten „hi, wie geht’s“ die Floskel: „Schick mir Bilder“. Wenn ich diesem Wunsch nicht nachkam, bezogen sich die Fragen nur noch darauf wie ich denn unter meinen Kleidern aussehe.

Später wählte ich eine Plattform, die überwiegend von Menschen genutzt wurde, die in offenen Beziehungen lebten und hier einfach nur schnellen Sex haben wollten. Der Name ich mir wirklich entfallen, denn diese Seite, war neben diesem Aspekt, gefühlt sehr Fakelastig. Nicht, das diese Menschen nicht echt gewesen wären. Doch hier wich das Original um Lichtjahre vom eingestellten Foto ab.

Hier stelle ich mir wirklich die Frage, Leute, wieso tut ihr das? Wenn ihr euch nicht treffen wollt, mag das fast noch vertretbar sein, doch nicht, wenn ich ernsthaft in Erwägung ziehe, eine zustande gekommene Unterhaltung in echt, im Hellen fortzusetzen. Hier kommt zwangsläufig immer die Wahrheit raus. Einer flunkerte um mindestens 20 Jahre! Dadurch wurde ich dieser Seite ebenfalls sehr schnell überdrüssig.

Ich möchte noch einfügen, dass mein Leben zwischenzeitlich auch aus anderen Unternehmungen bestand. Allerdings waren die Datingseiten schon recht amüsant, trotz all der merkwürdigen Erlebnisse.

Ein gewisses Suchtpotential ist dennoch gegeben, da es schnelle Ablenkung verspricht, selbst wenn kein greifbares Ergebnis in Sicht ist. Lange war ich in diesem Strudel gefangen und merkte es nicht bewusst. Ich beschönigte dieses Fotobegucken mit, ach, in echt lerne ich niemals so viel Männer kennen. Was für ein Quatsch, schließlich lernte ich hier inzwischen fast niemanden mehr kennen.

Ich tinderte noch eine ziemlich lange Weile durch die Gegend, wobei zumindest einige angenehme Begegnungen zu Stande kamen. Diese verliefen jedoch auch meist schnell im Sande, da natürlich beim nächsten Öffnen von „Tinder“ das nächste Match bereits wartete. Und wieso sollte ich mir die Mühe machen, einen Menschen mehrfach zu treffen, um heraus zu finden, ob sich etwas Schönes daraus ergeben könnte, wenn der nächste Wisch doch eine noch bessere Begegnung verspricht.

Mit der Zeit hatte ich mich natürlich auch verändert und hatte irgendwann keine Lust mehr auf ewig dieselben Fragen zu antworten. Doch ich musste erst an den Punkt kommen, dass mich DIESE Wischerei und Hascherei nach Aufmerksamkeit es war, die mich langweilte. Nicht die Langeweile die mich am Abend überkam, wenn ich mal nichts weiter zu tun hatte, sondern mich nervte die ständige Bestätigung. Diese war in den meisten Fällen einfach nur eine Floskel, eine Momentaufnahme, die nirgendwo hinführte.

Ich entschloss mich dazu einen „Männerdetox“ zu machen, um mein System zu reseten.

Somit möchte ich euch ans Herz legen, wenn ihr Onlinedating betreibt:

- seid echt

- Nehmt aktuelle Bilder und verratet euer wirkliches Alter, wenigstens im Verlauf eines Chats

- Wenn Chats oder Treffen schief oder komisch laufen, scheut euch nicht davor sie abzubrechen

- Nehmt nicht alles Erlebte zu persönlich

- Fragt euch, ob ihr aus Langeweile heraus eine „Wischseite“ betreibt. Eure Finger, Arme und euer Genick werden es euch danken, wenn ihr für eine Weile anderen Tätigkeiten nachgeht.

Vielleicht versucht ihr es mit einem neuen Hobby, z.B. Malen, Klettern oder Tanzen und wer weiß, wer euch da ganz zufällig begegnet. In diesem Fall habt ihr sogar bereits ein erstes gemeinsames Gesprächsthema. Die Möglichkeit, dass ihr euch öfter bei dieser Aktivität trefft ist recht hoch und die Chancen stehen gut nicht allzu schnell weggewischt zu werden.